Hartes Wasser und Haare: Was Kalk & Metalle wirklich mit deinem Haar machen
Hartes Wasser kann dazu führen, dass sich Haare mit der Zeit stumpfer, rauer oder schwerer anfühlen. Besonders bei blondiertem und chemisch behandeltem Haar können außerdem Mineral- und Metallablagerungen relevant werden.
Dabei werden drei Dinge häufig miteinander verwechselt: hartes Wasser, Kalk und Metalle im Haar sind nicht dasselbe.
Und genau das ist wichtig – denn auch die passende Lösung ist nicht immer dieselbe.
Die Kurzfassung: Hartes Wasser enthält vor allem höhere Mengen an Calcium und Magnesium. Diese Mineralien können sich am Haar anlagern. Kupfer oder Eisen sind dagegen andere Metallionen, die besonders bei blondiertem oder coloriertem Haar eine Rolle spielen können. Eine gezielte Tiefenreinigung kann bei Ablagerungen sinnvoll sein – aber nicht jedes trockene oder geschädigte Haar braucht automatisch ein stark reinigendes Shampoo.
Was ist hartes Wasser eigentlich?
Die Wasserhärte wird hauptsächlich durch die Menge an Calcium- und Magnesiumionen im Wasser bestimmt.
Je mehr davon vorhanden ist, desto härter wird das Wasser eingestuft. Auch die Stadtwerke Schweinfurt geben für das Trinkwasser in Schweinfurt Härtegrad III – hart an, also mehr als 2,5 mmol Calcium und Magnesium pro Liter beziehungsweise mehr als 14 °dH.
Das kennt man im Haushalt vor allem von Kalkablagerungen an Armaturen, Wasserkochern oder Duschwänden.
Beim Haar ist die Situation etwas komplexer.
Beim regelmäßigen Waschen können Mineralien mit der Haaroberfläche in Kontakt kommen und sich dort teilweise anlagern. Untersuchungen an Haarfasern zeigen tatsächlich erhöhte Mineralablagerungen nach Kontakt mit hartem Wasser.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes Haar in einer Region mit hartem Wasser zwangsläufig geschädigt wird.
Kalk, Mineralien und Metalle im Haar – was ist der Unterschied?
Im Alltag wird schnell alles als „Kalk im Haar“ bezeichnet.
Fachlich lohnt es sich jedoch, genauer hinzuschauen.
Calcium und Magnesium bestimmen hauptsächlich die Wasserhärte. Sie können sich auf der Haaroberfläche ablagern und das Haargefühl beeinflussen.
Kupfer und Eisen sind ebenfalls Mineralbestandteile beziehungsweise Metallionen, verhalten sich aber chemisch anders. Gerade Kupfer ist für coloriertes oder blondiertes Haar besonders interessant, weil es oxidative Vorgänge beeinflussen kann.
Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass höhere Mengen an Kupferionen im Haar mit stärkerer oxidativer Veränderung von Haarproteinen verbunden sein können.
Für uns als Friseure bedeutet das:
„Ablagerung“ ist nicht gleich „Ablagerung“.
Und genau deshalb sollte man bei auffälligem Haargefühl oder Farbveränderungen nicht automatisch irgendein Silbershampoo, Öl oder eine besonders reichhaltige Maske verwenden.
Woran kann man Ablagerungen im Haar erkennen?
Es gibt leider keinen Blicktest, mit dem man zu Hause sicher sagen kann: „Das ist eindeutig Calcium“ oder „Das ist Kupfer“.
Es gibt aber Hinweise, bei denen wir Ablagerungen mitdenken würden.
Das Haar kann sich beispielsweise plötzlich stumpfer, rauer oder beschwerter anfühlen. Glanz kann verloren gehen und eine eigentlich passende Pflege scheint nicht mehr so gut zu funktionieren wie gewohnt.
Bei sehr hellem oder blondiertem Haar können zusätzlich Farbveränderungen auffallen.
Wichtig: Diese Symptome sind nicht eindeutig.
Trockenheit, chemische Belastung, Hitze, ungeeignete Pflege oder Produktablagerungen können sehr ähnlich aussehen. Deshalb wäre es fachlich falsch, jedes stumpfe Haar sofort dem Leitungswasser anzulasten.
Kann hartes Wasser die Haare wirklich kaputt machen?
Hier wird im Internet sehr viel pauschalisiert.
Die wissenschaftliche Datenlage ist nämlich nicht so eindeutig, wie Aussagen wie „hartes Wasser verursacht Haarbruch“ vermuten lassen.
Eine Untersuchung fand nach wiederholtem Kontakt mit hartem Wasser keinen signifikanten Unterschied bei Zugfestigkeit und Elastizität der untersuchten Haare.
Andere Untersuchungen konnten dagegen stärkere Mineralablagerungen und Veränderungen an der Haaroberfläche feststellen. Eine mikroskopische Studie zeigte insbesondere eine erhöhte Magnesiumablagerung, ohne gleichzeitig eindeutig stärkere strukturelle Oberflächenschäden nachweisen zu können.
Deshalb würden wir nicht sagen:
„Hartes Wasser macht die Haare kaputt.“
Sondern:
Hartes Wasser kann Mineralablagerungen auf dem Haar begünstigen und dadurch Haargefühl, Glanz und Pflegeverhalten beeinflussen. Ob und wie stark daraus zusätzliche strukturelle Belastungen entstehen, hängt von mehreren Faktoren ab.
Das ist ein kleiner Unterschied in der Formulierung – fachlich aber ein sehr wichtiger.
Warum sind blondierte und colorierte Haare besonders interessant?
Bei Blond und Farbe interessieren uns nicht nur Calcium und Magnesium.
Hier spielen insbesondere Kupfer und Eisen eine zusätzliche Rolle.
Kupferionen können oxidative Veränderungen von Haarproteinen fördern. Eine weitere Untersuchung zu oxidativer Haarfarbe zeigte außerdem, dass bereits geringe Mengen von Kupfer und Eisen chemische Farbreaktionen beeinflussen können. Dabei wurden unter anderem Veränderungen bei Farbaufnahme und Farbverblassen beobachtet.
Gerade mehrfach blondiertes oder anderweitig chemisch behandeltes Haar ist deshalb ein Bereich, bei dem wir Metallablagerungen besonders ernst nehmen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Blond vor einer Blondierung zwingend eine Metallentfernung braucht.
Aber wenn Haar und Farbe ungewöhnlich reagieren, sich das Haar trotz guter Pflege merkwürdig anfühlt oder bereits auffällige Ablagerungen beziehungsweise Verfärbungen vorhanden sind, gehört dieses Thema aus unserer Sicht in die Ursachenanalyse.
Grünstich im Blond: Ist hartes Wasser schuld?
Nicht automatisch.
Ein Grünstich bei sehr hellem Haar wird häufig pauschal mit „Chlor“ oder „Kalk“ erklärt. Tatsächlich können insbesondere Kupferverbindungen beziehungsweise Kupferablagerungen bei entsprechenden Bedingungen zu einem grünlichen Farbeindruck beitragen.
Deshalb ist ein Grünstich etwas anderes als ein klassischer Gelbstich.
Gelbstich → Farbton und Neutralisation beurteilen.
Grünstich → zunächst mögliche Ablagerungen und die Ursache beurteilen.
Für dieses Thema haben wir bereits einen eigenen ausführlichen Fachartikel „Grünstich in den Haaren: Ursachen verstehen und richtig handeln“. Diesen würde ich an dieser Stelle intern verlinken, damit wir das Thema nicht doppelt vollständig erklären.
Wie bekommt man Mineral- und Metallablagerungen aus den Haaren?
Hier kommt es darauf an, was überhaupt entfernt werden soll.
Ein normales Shampoo ist in erster Linie für die alltägliche Reinigung von Haar und Kopfhaut gedacht.
Eine stärkere Tiefenreinigung kann zusätzliche Produkt- und Umweltrückstände entfernen.
Bei Mineral- und Metallionen sind wiederum sogenannte Chelatbildner interessant. Diese Stoffe können bestimmte Metallionen binden und dadurch deren Entfernung während der Haarwäsche unterstützen.
Typische kosmetische Chelatbildner sind beispielsweise verschiedene Formen von EDTA.
Das bedeutet aber nicht, dass jedes Haar dauerhaft mit einem stark reinigenden Shampoo gewaschen werden sollte.
Denn Reinigung und Pflege haben unterschiedliche Aufgaben.
Ablagerungen entfernen → reinigen.
Haarstruktur geschmeidig halten → anschließend pflegen.
Wann ist Paul Mitchell Shampoo Three sinnvoll?
Ein Produkt, das wir für genau solche Situationen im Sortiment haben, ist Paul Mitchell Shampoo Three.
Es ist als klärendes Shampoo darauf ausgelegt, unter anderem Chlor-, Eisen- und Mineralrückstände aus dem Haar zu entfernen. In der Formulierung befinden sich außerdem mehrere Chelatbildner wie Tetrasodium EDTA, Trisodium HEDTA und Disodium EDTA.
Deshalb sehen wir Shampoo Three nicht als normales Shampoo, das einfach dauerhaft jede Haarwäsche ersetzt.
Es ist vielmehr eine gezielte Reinigung, wenn entsprechende Ablagerungen ein Thema sind – zum Beispiel nach häufigem Poolkontakt oder wenn Mineralrückstände entfernt werden sollen.
Anschließend gehört wieder passende Pflege ins Haar. Auch die Anwendungsempfehlung des Produkts sieht nach der Reinigung einen Conditioner vor.
→ Hier intern zum Paul Mitchell Shampoo Three im Shop verlinken.
Tiefenreinigung und Chelating Shampoo – ist das dasselbe?
Nicht ganz.
Der Begriff Tiefenreinigung beschreibt zunächst allgemein eine intensivere Reinigung als bei einem klassischen Alltagsshampoo.
Ein Chelating Shampoo beziehungsweise ein Shampoo mit wirksamen Chelatbildnern zielt zusätzlich darauf ab, bestimmte Mineral- und Metallionen zu binden.
Ein Shampoo kann also tiefenreinigend sein, ohne automatisch besonders auf Metallablagerungen spezialisiert zu sein.
Genau deshalb lohnt sich bei solchen Produkten ein Blick auf Formulierung und Einsatzzweck statt nur auf das Wort „Detox“ auf der Verpackung.
Hilft ein Duschfilter gegen hartes Wasser?
Nicht automatisch.
Das ist einer der größten Mythen rund um hartes Wasser und Haarpflege.
Viele Duschfilter werden beispielsweise auf die Reduktion von frei verfügbarem Chlor ausgelegt. Der bekannte Standard NSF/ANSI 177 für Duschfiltersysteme zertifiziert genau diese Chlorreduktion – nicht automatisch die Entfernung der Calcium- und Magnesiumionen, die für die Wasserhärte verantwortlich sind.
Wer tatsächlich die Wasserhärte reduzieren möchte, muss deshalb genau prüfen, was ein Filtersystem technisch macht.
Ein Filter gegen Chlor ist nicht automatisch eine Wasserenthärtungsanlage.
Oder kurz:
Duschfilter ≠ automatisch weiches Wasser.
Das spart im Zweifel nicht nur Enttäuschung, sondern auch einen ziemlich unnötigen Einkauf.
Verursacht hartes Wasser Haarausfall?
Auch hier würden wir sehr vorsichtig mit pauschalen Behauptungen umgehen.
Haarbruch und Haarausfall sind nicht dasselbe.
Haarbruch betrifft die Haarfaser. Haarausfall betrifft dagegen das Haar beziehungsweise dessen Wachstum an der Wurzel und kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben.
Aus der Tatsache, dass hartes Wasser Mineralablagerungen auf dem Haarschaft fördern kann, lässt sich deshalb nicht automatisch ableiten, dass es Haarausfall verursacht.
Wenn du plötzlich deutlich mehr Haare verlierst als gewöhnlich, sollte die Ursache nicht einfach auf die Wasserhärte geschoben werden.
Muss man bei hartem Wasser dauerhaft Tiefenreinigung benutzen?
Nein.
Auch wenn du in einer Region mit hartem Wasser wohnst, bedeutet das nicht, dass du jede Woche maximal stark reinigen musst.
Entscheidend sind Haarzustand, Haarfarbe, Pflegeprodukte, Styling, Wasserbelastung und das tatsächliche Haargefühl.
Bei manchen Haaren kann eine gelegentliche gezielte Reinigung sinnvoll sein. Andere benötigen sie wesentlich seltener.
Gerade bei blondiertem, trockenem oder strukturell geschwächtem Haar sollte außerdem nicht nur gereinigt werden.
Nach einer stärkeren Reinigung ist es besonders wichtig, die Pflege wieder auf den tatsächlichen Haarzustand abzustimmen.
Wenn du nicht sicher bist, was dein Haar eigentlich braucht, kannst du unseren Haarpflege-Finder nutzen. Dort wird nicht nur nach „trocken“ oder „fettig“ unterschieden, sondern verschiedene Eigenschaften und Haarzustände können miteinander kombiniert werden.
→ Hier intern zum Haarpflege-Finder verlinken.
Hartes Wasser in Schweinfurt – spielt das bei der Haarpflege eine Rolle?
Ja, zumindest sollten wir es mitdenken.
Das Trinkwasser in Schweinfurt wird von den Stadtwerken offiziell dem Härtebereich III – hart zugeordnet.
Das bedeutet nicht, dass jede Kundin in Schweinfurt automatisch ein Kalk- oder Metallproblem im Haar hat.
Aber gerade wenn Haare sich trotz eigentlich passender Pflege dauerhaft stumpf oder belegt anfühlen, Blond ungewöhnlich reagiert oder Ablagerungen ein wiederkehrendes Thema sind, ist die Wasserqualität ein möglicher Faktor innerhalb der gesamten Haaranalyse.
Für uns gehört deshalb nicht nur die Frage „Welches Shampoo verwendest du?“ zur guten Beratung.
Manchmal ist auch interessant:
Wie wurde das Haar behandelt? Wie oft wird es gewaschen? Wie ist sein Zustand? Welche Produkte werden verwendet – und welchem Wasser ist es jeden Tag ausgesetzt?
Was kannst du bei hartem Wasser konkret tun?
Du brauchst keine komplizierte Zehn-Schritte-Routine.
Wenn du Ablagerungen vermutest, solltest du zunächst unterscheiden, ob dein Haar einfach trocken beziehungsweise geschädigt ist oder ob wirklich ein belegtes, stumpfes Haargefühl beziehungsweise eine ungewöhnliche Farbveränderung vorliegt.
Bei tatsächlichen Ablagerungen kann eine gezielte klärende beziehungsweise chelatierende Reinigung sinnvoll sein. Anschließend wird das Haar wieder passend gepflegt.
Bei blondiertem Haar oder auffälligen Farbveränderungen solltest du dagegen nicht wahllos mit Silbershampoo, Gegentönen oder Hausmitteln experimentieren.
Erst die Ursache – dann die Lösung.
Unser Fazit: Nicht jedes „Kalkproblem“ ist wirklich Kalk
Hartes Wasser kann Mineralablagerungen auf den Haaren begünstigen. Dabei sind Calcium und Magnesium, Metallionen wie Kupfer und Eisen und normale Produktrückstände jedoch nicht dasselbe.
Genau deshalb hilft bei vermeintlich „trockenem Haar durch Kalk“ nicht automatisch mehr Öl – und bei einem Grünstich nicht automatisch Silbershampoo.
Unsere wichtigste Regel lautet deshalb:
Erst herausfinden, was das Haar belastet. Dann gezielt reinigen oder pflegen.
Gerade bei blondiertem und coloriertem Haar kann diese Unterscheidung entscheidend sein.
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Haar trocken, geschädigt oder möglicherweise mit Ablagerungen belastet ist, schauen wir uns Haarzustand und Pflege gerne gemeinsam bei uns im Salon in Schweinfurt an.
Deine Lissi & Sophie
Lissi Weber – Friseur Schweinfurt für Blond, Haarverlängerung & professionelle Haarpflege


Schreibe einen Kommentar