Kaum ist es draußen feucht, stehen plötzlich einzelne Haare ab, die Längen werden unruhig und das glatte Styling verabschiedet sich innerhalb kürzester Zeit.
Die häufigste Erklärung dafür lautet: „Deinem Haar fehlt Feuchtigkeit.“
Ganz so einfach ist Frizz allerdings nicht.
Frizz bedeutet nicht automatisch Feuchtigkeitsmangel. Entscheidend ist vielmehr, wie einzelne Haarfasern auf Luftfeuchtigkeit, ihre eigene Struktur, vorhandene Schäden, Reibung und Styling reagieren.
Deshalb hilft gegen Frizz auch nicht automatisch die reichhaltigste Feuchtigkeitsmaske.
Was ist Frizz überhaupt?
Frizz entsteht, wenn einzelne Haarfasern nicht mehr gleichmäßig in der gewünschten Form liegen, sondern sich aus dem restlichen Haar herausbewegen.
Das kann sich unterschiedlich zeigen: als kleine abstehende Härchen am Oberkopf, unruhige Längen, aufgeplusterte Wellen oder als ursprünglich glatt geföhntes Haar, das sich bei feuchtem Wetter plötzlich wieder kräuselt.
Dabei ist wichtig:
Frizz ist zunächst ein Erscheinungsbild – keine Diagnose.
Trockenheit, Porosität, natürliche Lockenstruktur, hohe Luftfeuchtigkeit oder mechanische Belastung können Frizz begünstigen.
Warum macht Luftfeuchtigkeit Haare frizzig?
Unsere Haare reagieren auf die Umgebung.
Steigt die relative Luftfeuchtigkeit, nimmt die Haarfaser mehr Wasser aus der Umgebung auf. Dadurch verändern sich auch ihre mechanischen Eigenschaften und ihre Formstabilität. Untersuchungen zeigen, dass die Wasseraufnahme von Haar mit steigender Luftfeuchtigkeit zunimmt und sich gleichzeitig die Elastizität verändert.
Das Problem beim Styling:
Nicht jede Haarfaser reagiert vollkommen identisch.
Besonders wenn einige Bereiche stärker geschädigt oder poröser sind als andere, kann sich das Haar unterschiedlich stark verändern. Einzelne Fasern springen aus der gemeinsamen Form heraus – und wir sehen Frizz.
Deshalb bedeutet Anti-Frizz nicht unbedingt „mehr Feuchtigkeit“.
Oft geht es vielmehr darum, den Umgang des Haares mit Feuchtigkeit besser zu kontrollieren.
Frizz bedeutet nicht automatisch trockenes Haar
Trockenes Haar kann stärker zu Frizz neigen. Trotzdem sind Trockenheit und Frizz nicht dasselbe.
Auch relativ gesundes, naturbelassenes und besonders welliges oder lockiges Haar kann bei hoher Luftfeuchtigkeit frizzig werden.
Umgekehrt können Haare sehr trocken sein, ohne stark zu frizzeln.
Wenn dein Haar vor allem trocken, stumpf oder rau wirkt, findest du die Ursachen ausführlicher in unserem Ratgeber „Was tun, wenn meine Haare trotz Pflege trocken wirken?“.
Was haben Porosität und Frizz miteinander zu tun?
Porosität spielt bei Frizz eine wichtige Rolle.
Stärker geschädigte Haarfasern besitzen eine veränderte Oberfläche und können anders mit Wasser reagieren als weitgehend intakte Bereiche.
Das heißt aber nicht:
High Porosity = automatisch Frizz.
Porosität ist nur ein Faktor.
Gerade bei langen oder blondierten Haaren kann außerdem der Ansatz wesentlich weniger beansprucht sein als die Spitzen. Deshalb reagiert häufig nicht einmal das gesamte Haar gleich.
Wenn du verstehen möchtest, was Haarporosität wirklich bedeutet und warum der bekannte Wasserglas-Test keine zuverlässige Diagnose liefert, lies auch unseren Artikel zur Haarporosität und porösen Haaren.
Frizz, fliegende Haare oder Haarbruch?
Auch diese drei Dinge sehen auf den ersten Blick ähnlich aus.
Bei Frizz verändern einzelne Haarfasern ihre Lage beziehungsweise Form.
Fliegende Haare entstehen häufig durch elektrostatische Aufladung. Das passiert besonders bei trockener Luft, Reibung, synthetischer Kleidung oder Mützen.
Und kurze abstehende Haare können wiederum gesunder Nachwuchs oder Haarbruch sein.
Deshalb sollte nicht jedes einzelne Haar am Oberkopf automatisch mit Anti-Frizz-Serum festgeklebt werden.
Warum haben Locken und Wellen häufiger sichtbaren Frizz?
Eine natürliche Locke besteht nicht aus vollkommen parallel nebeneinanderliegenden Haarfasern.
Je stärker die natürliche Krümmung des Haares ist, desto stärker können einzelne Fasern aus der gemeinsamen Lockenform herausstehen.
Eine gewisse Menge Frizz gehört deshalb bei vielen natürlichen Wellen und Locken einfach zur Haarstruktur.
Nicht jeder Frizz muss „weg“.
Bei Locken geht es häufig vielmehr darum, Definition und Bündelung zu verbessern, ohne die natürliche Bewegung des Haares zu zerstören.
Bei glattem Haar steht dagegen meistens eine möglichst geschlossene, ruhige Oberfläche im Vordergrund.
Deshalb kann das gleiche Anti-Frizz-Produkt bei zwei Personen vollkommen unterschiedlich wirken.
Kann auch glattes Haar Frizz haben?
Absolut.
Gerade glatt geföhntes Haar kann bei hoher Luftfeuchtigkeit anfangen, seine natürliche Bewegung wieder anzunehmen.
Auch geschädigte oder unterschiedlich poröse Längen können dazu führen, dass das Styling weniger ruhig wirkt.
Das kennen viele besonders nach dem Föhnen:
Zu Hause ist alles glatt – zehn Minuten draußen und plötzlich stehen die ersten Härchen wieder ab.
Das Problem ist dann nicht unbedingt, dass du „zu wenig Pflege“ benutzt hast.
Möglicherweise fehlt schlicht eine Styling- und Finish-Ebene, die die Oberfläche glättet und das Haar besser kontrolliert.
Warum reagieren blondierte Haare häufig stärker?
Blondiertes Haar wurde chemisch verändert.
Je stärker eine Haarfaser bereits aufgehellt und beansprucht wurde, desto eher kann sich ihre Oberfläche von unbehandelten Bereichen unterscheiden.
Dadurch können blondierte Längen auch anders auf Luftfeuchtigkeit, Bürsten und Styling reagieren.
Das bedeutet nicht:
Blondierung = Frizz.
Aber stark beanspruchtes Blond benötigt häufig mehr Konditionierung und Oberflächenschutz als unbehandeltes Haar.
Mehr über unsere Arbeit mit Blond findest du auf unserer Seite Blond, Airtouch & Balayage in Schweinfurt.
Hilft mehr Feuchtigkeit gegen Frizz?
Manchmal – aber nicht automatisch.
Gerade wenn trockenes und schlecht konditioniertes Haar die Ursache ist, kann eine passende Pflege Frizz deutlich reduzieren.
Bei Frizz geht es aber nicht einfach darum, möglichst viel Wasser in die Haarfaser zu bringen.
Eine aktuelle Untersuchung an stark geschädigtem Haar zeigte sogar, dass eine stärker hydrophobe Haaroberfläche, die das Eindringen von Wasser reduzierte, unter den untersuchten Bedingungen die Kämmbarkeit und mechanische Stabilität verbessern konnte.
Das bringt die Sache ziemlich gut auf den Punkt:
Gute Anti-Frizz-Pflege soll Feuchtigkeit nicht einfach maximieren – sondern kontrollieren.
Sind Silikone bei Frizz schlecht?
Nein.
Gerade bei Frizz können Silikone sehr sinnvoll sein.
Sie können sich auf der Haaroberfläche verteilen, Reibung reduzieren, die Kämmbarkeit verbessern und für eine glattere Oberfläche sorgen. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersicht beschreibt genau diese konditionierenden und schützenden Eigenschaften.
Auch die Wechselwirkung zwischen silikonbasierten Formulierungen, Haarfasern und hoher Luftfeuchtigkeit wurde experimentell untersucht.
Die Aussage:
„Silikone sind grundsätzlich schlecht fürs Haar“
ist deshalb viel zu pauschal.
Entscheidend sind die gesamte Formulierung, Haarstruktur, Produktmenge und eine passende Reinigung.
Was hilft wirklich gegen Frizz?
Wir würden eine Anti-Frizz-Routine nicht auf ein einziges Produkt reduzieren.
Am sinnvollsten ist eine Kombination aus:
Pflege → Leave-in → Styling → Finish.
Die Pflege sorgt für Geschmeidigkeit und bessere Kämmbarkeit.
Ein Leave-in schützt die Längen zusätzlich und erleichtert das Styling.
Stylingprodukte helfen dabei, die gewünschte Form aufzubauen.
Und ein Serum oder Finishprodukt kontrolliert anschließend die Oberfläche.
Du brauchst davon nicht zwingend fünf verschiedene Flaschen. Aber die Funktion des verwendeten Produktes sollte zum Problem passen.
Paul Mitchell Smooth: unsere klassische Frizz-Routine
Wenn Frizz, widerspenstige Längen und eine glattere Haaroberfläche im Mittelpunkt stehen, passt die Smooth-Serie von Paul Mitchell besonders gut.
Der Paul Mitchell Super Smooth Conditioner ist als glättender Conditioner für widerspenstiges Haar ausgelegt. Er verbessert die Kämmbarkeit und unterstützt ein geschmeidigeres, kontrollierteres Haargefühl.
Das ist für uns die Pflegeebene.
Danach kommt das Styling beziehungsweise Finish.
Super Skinny Serum: wenn Frizz vor allem beim Föhnen entsteht
Eines unserer liebsten Produkte für ein glattes Finish ist das Paul Mitchell Super Skinny Serum.
Die Formulierung basiert unter anderem auf Isododecane, Dimethicone und Dimethiconol und ist genau darauf ausgerichtet, die Oberfläche glatter und kontrollierter wirken zu lassen. Eure aktuelle Produktseite beschreibt das Serum außerdem als Föhn-Primer für glattes, frizzfreies Haar mit Hitzeschutz bis 230 °C.
Für uns ist das besonders sinnvoll, wenn:
das Haar nach dem Föhnen schnell wieder unruhig wird, die Oberfläche nicht richtig glatt aussieht oder bei Luftfeuchtigkeit einzelne Fasern schnell aus dem Styling springen.
Dabei gilt: weniger ist häufig mehr.
Gerade bei feinem Haar reicht eine kleine Menge.
Und wo passt das 15-in-1 Spray hinein?
Das Paul Mitchell 15-in-1 Spray übernimmt eine andere Aufgabe.
Es ist ein Leave-in für die Pflege- und Vorbereitungsphase und wird in eurer aktuellen Produktbeschreibung unter anderem für trockenes, frizziges beziehungsweise schwer zu bändigendes Haar sowie als Hitzeschutz bis 230 °C geführt.
Das bedeutet:
15-in-1 → Pflege und Vorbereitung.
Super Skinny Serum → Glättung, Föhnunterstützung und Finish.
Beide können zusammen sinnvoll sein, müssen aber nicht bei jedem Haar gleich stark dosiert werden.
Frizz nach dem Föhnen: Häufig liegt es nicht nur am Produkt
Auch die Technik macht einen großen Unterschied.
Wenn das Haar kreuz und quer trocken geföhnt wird, stark mit den Händen aufgeraut oder ständig gegen die natürliche Wuchsrichtung gearbeitet wird, entsteht keine besonders ruhige Oberfläche.
Für ein glatteres Ergebnis hilft es, kontrolliert in Richtung der Haarlängen zu föhnen und unnötige Reibung zu vermeiden.
Und wichtig:
Ein Glätteisen ersetzt keine passende Pflegeroutine.
Wer jeden Frizz einfach mit noch mehr Hitze bekämpft, kann langfristig genau die Haarstruktur zusätzlich beanspruchen, die anschließend wieder schwerer kontrollierbar wird.
Kann man Frizz dauerhaft entfernen?
Nicht immer – und das muss auch gar nicht das Ziel sein.
Ist Frizz ein Teil deiner natürlichen Wellen- oder Lockenstruktur, können wir ihn kontrollieren und die Definition verbessern. Wir müssen die natürliche Haarstruktur aber nicht als „Schaden“ behandeln.
Entsteht Frizz dagegen vor allem durch geschädigte, raue oder stark poröse Längen, können eine bessere Pflegeroutine und weniger Belastung das Erscheinungsbild deutlich verbessern.
Die bereits vorhandene Haarfaser wird dadurch nicht wieder biologisch zu unbehandeltem Naturhaar.
Aber sie kann glatter, geschmeidiger und wesentlich kontrollierbarer werden.
Welche Anti-Frizz-Pflege passt zu meinem Haar?
Das hängt stark davon ab, ob dein Haar gleichzeitig fein, blondiert, trocken, lockig oder strukturell geschädigt ist.
Ein sehr feines Haar braucht häufig eine leichtere Routine als kräftiges, mehrfach blondiertes Langhaar.
Deshalb würden wir nie pauschal sagen:
„Bei Frizz brauchst du Produkt X.“
Wenn du nicht sicher bist, kannst du direkt unseren Haarpflege-Finder nutzen. Dort kannst du Frizz mit einem zweiten Haarzustand kombinieren und bekommst eine passendere Pflegeroutine. Genau dafür ist der Finder aufgebaut.
Unser Fazit: Frizz ist mehr als „zu wenig Feuchtigkeit“
Frizz entsteht nicht automatisch, weil deinem Haar Feuchtigkeit fehlt.
Viel wichtiger ist, wie deine Haarfasern auf Luftfeuchtigkeit, ihre natürliche Struktur, Porosität, Reibung und Styling reagieren.
Deshalb lautet unsere Anti-Frizz-Strategie:
erst den Haarzustand verstehen, dann pflegen, die Oberfläche glätten und das Styling passend schützen.
Für klassisch frizziges, widerspenstiges Haar ist die Kombination aus Paul Mitchell Super Smooth Conditioner, einem passenden Leave-in wie dem 15-in-1 Spray und – wenn ein glattes Finish gewünscht ist – dem Super Skinny Serum eine sehr gute Möglichkeit.
Wenn du noch nicht weißt, welche Kombination zu deinem Haar passt, starte mit unserem Haarpflege-Finder – oder wir schauen uns deine Haare gemeinsam bei uns im Salon in Schweinfurt an.
Deine Lissi & Sophie
Lissi Weber – Friseur Schweinfurt für Blond, Haarverlängerung & professionelle Haarpflege


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