Hitzeschutz für Haare: So wendest du ihn bei Föhn, Glätteisen & Lockenstab richtig an
Hitzeschutz gehört für uns zu jeder Pflegeroutine, sobald regelmäßig geföhnt, geglättet oder mit dem Lockenstab gearbeitet wird.
Trotzdem wird er erstaunlich oft falsch angewendet.
Kommt Hitzeschutz auf nasses oder trockenes Haar? Muss ich ihn am zweiten Tag erneut benutzen? Darf ich mit 230 °C glätten, wenn auf meinem Produkt „Hitzeschutz bis 230 °C“ steht?
Die wichtigste Antwort direkt vorweg:
Hitzeschutz reduziert die thermische Belastung deiner Haare – er macht Hitze aber nicht unschädlich. Und welches Produkt sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, ob dein Haar gerade feucht oder trocken ist.
Hitzeschutz auf feuchtes oder trockenes Haar?
Beides ist möglich – aber nicht mit jedem Produkt.
Es gibt Hitzeschutzprodukte, die speziell für das feuchte Haar vor dem Föhnen entwickelt wurden. Andere gehören ausdrücklich auf trockenes Haar vor Glätteisen oder Lockenstab.
Deshalb sollte man nicht einfach irgendeinen Hitzeschutz verwenden und davon ausgehen, dass er für jede Situation gleich funktioniert.
Bei uns ist die einfachste Unterscheidung:
Waschtag und Föhnen → Hitzeschutz fürs feuchte Haar.
Glätteisen oder Lockenstab auf trockenem Haar → Hitzeschutz fürs trockene Haar.
Was macht Hitzeschutz eigentlich?
Hitzeschutz kann sich als schützende beziehungsweise konditionierende Schicht auf der Haarfaser verteilen und dabei helfen, die Auswirkungen hoher Temperaturen zu reduzieren.
Je nach Formulierung verbessern solche Produkte zusätzlich Kämmbarkeit, Geschmeidigkeit und Oberflächenglätte.
Was ein Hitzeschutz aber nicht kann:
Er macht 200 oder 230 °C nicht plötzlich harmlos.
Deshalb bleibt auch mit Hitzeschutz die wichtigste Stylingregel:
So wenig Temperatur wie möglich und nur so viel wie für das gewünschte Ergebnis wirklich nötig.
Ab welcher Temperatur verändert Hitze das Haar?
Hier kursieren im Internet viele feste Temperaturgrenzen.
Ganz so eindeutig funktioniert Haar allerdings nicht.
Wie stark eine Haarfaser durch Wärme beeinflusst wird, hängt unter anderem von Temperatur, Einwirkdauer, Feuchtigkeitsgehalt, Anzahl der Durchgänge und dem bisherigen Haarzustand ab.
Schon beim Föhnen zeigt sich: Je heißer die Luft und je näher der Föhn am Haar gehalten wird, desto stärker kann die Haaroberfläche beansprucht werden.
Deshalb würden wir nicht sagen:
„Bis 90 °C passiert gar nichts und danach beginnt plötzlich der Schaden.“
Die Haarfaser reagiert bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen auf Wärme. Wirklich starke strukturelle Veränderungen werden bei sehr hohen Temperaturen natürlich wesentlich wahrscheinlicher.
Gerade deshalb ist die Aussage „Hitzeschutz bis 230 °C“ keine Empfehlung, mit 230 °C zu stylen.
Warum wir stundenlanges Lufttrocknen nicht automatisch für schonender halten
Nasses Haar quillt auf und seine mechanischen Eigenschaften verändern sich.
Je nach Haarmenge, Länge und Struktur kann es mehrere Stunden dauern, bis Haare ohne Föhn wirklich vollständig trocken sind. In Untersuchungen benötigten Haarsträhnen bei Raumtemperatur sogar mehr als zwei Stunden, bis sie vollständig getrocknet waren.
Für uns bedeutet „schonend trocknen“ deshalb nicht automatisch:
Haare stundenlang komplett nass lassen.
Wir bevorzugen ein kontrolliertes Trocknen mit moderater Temperatur, etwas Abstand und Bewegung.
Bei glattem oder welligem Haar kann das normales Föhnen sein. Bei Locken arbeiten wir lieber mit einem Diffusor, damit die natürliche Struktur erhalten bleibt und das Haar trotzdem nicht über Stunden nass bleibt.
Wichtig ist vor allem, nasses Haar nicht unnötig stark zu reiben, daran zu ziehen oder ständig zu bearbeiten.
Ist Lufttrocknen also schlecht?
Nein.
Aber „Lufttrocknen ist immer schonender als Föhnen“ ist genauso zu pauschal wie das Gegenteil.
Ein Föhn, der mit maximaler Temperatur wenige Zentimeter vom Haar entfernt ständig auf dieselbe Stelle gerichtet wird, kann natürlich stark belasten.
Ein Föhn mit moderater Wärme, ausreichend Abstand und kontinuierlicher Bewegung ist etwas vollkommen anderes.
Deshalb achten wir lieber auf die richtige Technik als auf die Regel „Föhn = schlecht“.
Nasses Haar niemals direkt glätten
Ein Punkt ist uns besonders wichtig:
Glätteisen und Lockenstab gehören auf trockenes Haar.
Wenn sich viel Wasser innerhalb der Haarfaser befindet und gleichzeitig sehr hohe Temperaturen auf das Haar treffen, kann die Feuchtigkeit extrem schnell erhitzt werden.
Im schlimmsten Fall können sich dabei innerhalb der Haarfaser kleine Hohlräume beziehungsweise Blasen bilden – sogenanntes Bubble Hair.
Das Haar kann dadurch deutlich geschwächt und bruchanfälliger werden.
Deshalb:
Föhn auf feuchtem Haar = ja.
Glätteisen oder Lockenstab auf feuchtem Haar = nein.
Wenn du einen Hitzeschutz auf trockenes Haar sprühst und es dadurch wieder leicht feucht wird, gib ihm kurz Zeit, entsprechend der Produktanwendung zu trocknen, bevor du mit dem heißen Tool darübergehst.
Welche Temperatur sollte mein Glätteisen haben?
Eine universelle Zahl gibt es nicht.
Feines, blondiertes oder bereits stark beanspruchtes Haar braucht meist deutlich weniger Hitze als sehr kräftiges, widerstandsfähiges Haar.
Unsere Regel im Salon lautet deshalb:
Nicht „Wie heiß kann mein Glätteisen?“, sondern „Wie wenig Hitze reicht für mein Ergebnis?“
Wenn eine Strähne bei niedrigerer Temperatur bereits glatt beziehungsweise geformt wird, gibt es keinen Vorteil darin, die Temperatur noch weiter hochzudrehen.
Auch mehrfach zehnmal über dieselbe Strähne zu fahren ist keine gute Strategie.
Lieber sauber abteilen, kontrolliert arbeiten und unnötige Wiederholungen vermeiden.
230 °C Hitzeschutz bedeutet nicht 230 °C ohne Risiko
Das ist wahrscheinlich einer der größten Irrtümer.
Wenn ein Hersteller einen Schutz bis 230 °C angibt, bedeutet das:
Das Produkt wurde für thermisches Styling bis zu dieser Temperatur entwickelt beziehungsweise getestet.
Es bedeutet nicht, dass die Haarfaser selbst bei 230 °C keinerlei Belastung erfährt.
Deshalb würden wir trotz eines guten Hitzeschutzes niemals empfehlen, automatisch die höchste Stufe des Glätteisens einzustellen.
Wie viel Hitzeschutz brauche ich?
Nicht möglichst viel – sondern gleichmäßig genug.
Ein häufiger Fehler ist, drei Sprühstöße über das Deckhaar zu geben und davon auszugehen, dass damit automatisch der komplette Kopf geschützt ist.
Bei längeren oder dichteren Haaren ist es sinnvoller, das Haar grob in Partien zu teilen und das Produkt gleichmäßig in den relevanten Längen zu verteilen.
Bei einem Spray kann anschließend vorsichtig durchgekämmt werden, sofern die Anwendung des Produktes das vorsieht.
Bei Seren reicht dagegen oft eine deutlich kleinere Menge.
Mehr Produkt bedeutet nicht automatisch mehr Schutz.
Zu viel kann das Haar lediglich beschweren.
Hitzeschutz am Waschtag: Paul Mitchell 15-in-1 Spray
Wenn du nach dem Waschen deine Haare föhnst, ist das Paul Mitchell 15-in-1 Spray eine unserer liebsten Allround-Lösungen.
Es wird auf das gewaschene, feuchte Haar gesprüht, durchgekämmt und nicht ausgespült. Laut Hersteller bietet es Hitzeschutz bis 230 °C und verbindet diesen mit Pflege, Kämmbarkeit, Frizz-Kontrolle und weiteren Funktionen.
Für uns ist es deshalb besonders unkompliziert:
Waschen → 15-in-1 ins feuchte Haar → durchkämmen → föhnen.
Wenn du glattes Haar und ein Smooth-Finish möchtest: Super Skinny Serum
Wenn das Hauptziel ein glatter Blowout, weniger Frizz und ein ruhigeres Finish ist, mögen wir das Paul Mitchell Super Skinny Serum besonders gerne.
Es ist ein leichter Blowout-Primer aus der Smooth-Richtung und wird in das feuchte Haar gegeben.
Neben der glättenden Wirkung unterstützt es ein geschmeidiges Finish und verkürzt die Föhnzeit. Eure aktuelle Produktseite führt das Serum ausdrücklich als Smooth-/Frizzprodukt.
Die einfache Entscheidung:
Universeller Pflege-Hitzeschutz → 15-in-1.
Glattes, kontrolliertes Smooth-Styling → Super Skinny Serum.
Hot Off The Press: für Glätteisen, Lockenstab und trockenes Haar
Für thermisches Styling auf bereits trockenem Haar verwenden wir Paul Mitchell Hot Off The Press Heat Protectant.
Hier ist die Anwendung eine andere:
Das Produkt wird vor dem Einsatz von Glätteisen oder Lockenstab auf das trockene Haar gesprüht.
Laut euren offiziellen Produktdaten bietet es Hitzeschutz bis 230 °C und besitzt zusätzlich eine feuchtigkeitsresistente Formel, die Frizz kontrolliert.
Das ist deshalb auch unsere ideale Lösung für:
Hitzestyling am zweiten Tag.
Muss ich am zweiten Tag erneut Hitzeschutz verwenden?
Wenn du deine Haare gestern gewaschen und geschützt geföhnt hast, heute aber erneut mit Lockenstab oder Glätteisen arbeiten möchtest, würden wir wieder einen dafür geeigneten Hitzeschutz verwenden.
Genau dafür ist Hot Off The Press praktisch.
Du musst also nicht deine komplette Leave-in-Routine vom Waschtag wiederholen.
Stattdessen:
trockenes Haar → Hot Off The Press → kurz entsprechend der Anwendung setzen/trocknen lassen → Lockenstab oder Glätteisen.
Dry Conditioner Spray: Pflege und Hitzeschutz für den zweiten Tag
Eine weitere schöne Möglichkeit für den zweiten Tag ist das Paul Mitchell Dry Conditioner Spray.
Das ist besonders interessant, wenn die Haare nicht nur erneut gestylt werden sollen, sondern sich die Längen gleichzeitig etwas trocken oder stumpf anfühlen.
Der Dry Conditioner ist leichter als eine klassische Pflege im nassen Haar und lässt sich deshalb gut zum Second-Day-Refresh einsetzen.
In eurem aktuellen Sortiment ist das Produkt auf Lager und über den Take-Home-Service beziehungsweise regulär nachbestellbar.
Damit haben wir neben Hot Off The Press eine zweite Option für trockenes Haar – nur mit stärkerem Pflegefokus.
Welcher Hitzeschutz passt wann?
Ganz einfach:
Waschtag + feuchtes Haar + Allround-Pflege:
Paul Mitchell 15-in-1 Spray
Feuchtes Haar + glatter Blowout + Frizzkontrolle:
Paul Mitchell Super Skinny Serum
Trockenes Haar + Glätteisen oder Lockenstab:
Paul Mitchell Hot Off The Press
Zweiter Tag + trockene Längen + Pflege und erneutes Styling:
Paul Mitchell Dry Conditioner Spray
So ist die Produktauswahl viel sinnvoller, als einfach irgendein Hitzeschutzspray für jede Situation zu benutzen.
Was ist bei blondiertem Haar besonders wichtig?
Blondiertes Haar hat bereits eine chemische Behandlung hinter sich.
Deshalb achten wir bei stark aufgehellten Längen besonders darauf, unnötige zusätzliche thermische Belastung zu reduzieren.
Das bedeutet nicht, dass blondierte Haare niemals geglättet oder gelockt werden dürfen.
Aber Hitzeschutz, kontrollierte Temperatur und möglichst wenige Durchgänge werden umso wichtiger.
Gerade wenn die Längen bereits sehr trocken, porös oder bruchgefährdet sind, sollte zunächst der Haarzustand betrachtet werden.
Mehr zu unserer Arbeit mit blondiertem Haar findest du auf unserer Seite Blond, Airtouch & Balayage in Schweinfurt.
Die häufigsten Fehler beim Hitzestyling
Der größte Fehler ist nicht unbedingt das Stylinggerät selbst.
Problematisch wird meistens die Kombination aus zu hoher Temperatur, zu langer Einwirkzeit, zu vielen Durchgängen und fehlendem Schutz.
Genauso ungünstig ist es, ein nasses Haar mit Gewalt zu bearbeiten oder den Föhn minutenlang auf maximale Hitze direkt auf dieselbe Stelle zu richten.
Die bessere Strategie ist:
schützen, kontrolliert trocknen, sauber abteilen und nur so viel Hitze verwenden wie nötig.
Unser Fazit: Hitzeschutz ist wichtig – aber die Anwendung entscheidet
Hitzeschutz gehört für uns selbstverständlich zum Föhnen, Glätten und Locken.
Aber:
Hitzeschutz ist kein Freifahrtschein für maximale Temperatur.
Ebenso wichtig ist das richtige Produkt für die jeweilige Situation.
15-in-1 gehört bei uns auf das feuchte Haar am Waschtag.
Super Skinny Serum ist ideal, wenn zusätzlich ein besonders glattes Smooth-Finish gewünscht ist.
Hot Off The Press ist unser klassischer Schutz auf trockenem Haar vor Glätteisen oder Lockenstab.
Und das Dry Conditioner Spray ist eine schöne Lösung für den zweiten Tag, wenn zusätzlich etwas Pflege gefragt ist.
Auch beim Trocknen gilt für uns: Wir lassen insbesondere lange, dichte oder lockige Haare nicht zwangsläufig stundenlang komplett nass. Lieber kontrolliert mit moderater Wärme föhnen – bei Locken mit Diffusor – und unnötige Reibung vermeiden.
Wenn du nicht sicher bist, welche Pflege und welcher Hitzeschutz zu deinem Haarzustand passen, nutze unseren Haarpflege-Finder – oder wir schauen uns deine Haare gemeinsam bei uns im Salon in Schweinfurt an.
Deine Lissi & Sophie
Lissi Weber – Friseur Schweinfurt für Blond, Haarverlängerung & professionelle Haarpflege


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